Bierstadt: Birgidesstat – eine Reise durch die Zeit
Bierstadt blickt auf eine lange und bewegte Geschichte zurück, die bis ins Jahr 927 zurückreicht.
Frühgeschichte und erste Erwähnung
Archäologische Funde belegen, dass bereits in vorchristlicher Zeit erste Siedlungen in der Umgebung von Wiesbaden existierten. Die urkundlich gesicherte Geschichte Bierstadts beginnt am 12. März 927. An diesem Tag schenkten der Grundherr Alfwin und seine Frau Ada dem Ursula-Stift zu Köln Güter in Birgidesstat. Darunter befanden sich Häuser, Wiesen, Felder und Wälder sowie zwei Anteile an der Kirche in Bierstadt. Die Urkunde legt nahe, dass eine Kirche zu dieser Zeit existierte, was auf eine frühe christliche Präsenz im Ort hinweist.
Die älteste Kirche Wiesbadens
Die Bierstadter Kirche gehört zu den ältesten Kirchen des Nassauer Landes und ist das älteste Baudenkmal Wiesbadens. Im 30-jährigen Krieg litt die Gemeinde jedoch schwer, und nur 17 Familien überlebten die Kriegswirren. 1550 trat Bierstadt zur evangelischen Kirche über, und etwa ab 1780 siedelten sich wieder Katholiken in der Gemeinde an.
Weiterentwicklung und erste Infrastruktur
Nach den Napoleonischen Kriegen erholte sich die Gemeinde langsam. Um 1830 wurde die Straße nach Wiesbaden ausgebaut, und 1845/46 entstand ein neues Schulhaus. Die wirtschaftliche Entwicklung der benachbarten Weltkulturstadt Wiesbaden förderte das örtliche Handwerk. 1886 wurde der Grundstein für das neue Rathaus gelegt, das heute als Sitz der Verwaltung von fünf östlichen Wiesbadener Stadtteilen dient.
1899 wurde eine weitere Schule eröffnet – die heutige Robert-Koch-Schule – und 1906 die Adlerschule, heute bekannt als Hermann-Löns-Schule. 1910 wurde schließlich die städtische Straßenbahnlinie über den Bierstadter Berg bis nach Dotzheim feierlich eröffnet.
Kriegszeit und Eingemeindung
Die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg brachte Bierstadt wirtschaftliche Not, französische Besatzung und Separatistenputsche. Nach langen Verhandlungen wurde Bierstadt 1928 in das Wiesbadener Stadtgebiet eingegliedert. Zu dieser Zeit hatte die 1.000-jährige Gemeinde knapp 4.500 Einwohner.
Nachkriegszeit und Expansion
Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte der Zustrom von Flüchtlingen und Heimatvertriebenen ein, die nach und nach in die Gemeinde integriert wurden. Neue Wohnviertel entstanden rund um den alten Ortskern. Für die amerikanische Besatzung wurden weite Flächen bebaut, die zuvor landwirtschaftlich genutzt worden waren. Um 1970 wurde das "Wolfsfeld" besiedelt.
1075 Jahre Bierstadt
Im Jahr 2002 konnte Bierstadt auf eine beeindruckende 1075-jährige Geschichte zurückblicken. Dieses Jubiläum wurde mit zahlreichen Festen und Veranstaltungen gebührend gefeiert.
Historisches Highlight
Von 1901 bis 1955 gab es eine Straßenbahn in Wiesbaden: Sie entwickelte sich rasch zu einem wichtigen Transportmittel in der Stadt. Die Linie 7 wurde 1910 bis Bierstadt verlängert.